Sonntag, 17. März 2013

Kuta - der ganz normale Wahnsinn

Kuta - Freitag, 21. Dezember 2012

Kuta ist das touristische Epizentrum Indonesiens. Hier versammeln sich die ganzen Touristenpaselacken, denen jegliches Interesse an fremder Kultur oder Lebensweise abgeht. Die, die ihren ganz normalen Disco- und McDonald's-Alltag einfach mal nach Süd-Ost-Asien verlagern, um in ihren angemieteten vier Wänden im Wohnstapel nicht komplett durchzudrehen. Zwanghaft weitermachen, wo man gerade zwanghaft aufgehört hat. Und zu hause kann man dann erzählen: "Ich war in Asien - total verrückt und billig, teilweise! Aber diese Asiaten ... wie die das da aushalten ist mir ein Rätsel ..."

Warum habe ich eigentlich ein so mieses Bild von Kuta? Ich war mal dort am Strand - vor 14 Jahren - mehr aber auch nicht. Vielleicht sollte ich dieses grobe Bild mal in bunten Farben ausmalen und bestätigen ... Oder gar revidieren?

Und warum habe ich eigentlich so ein mieses Bild von Extrem-Pauschaltouristen? Die Antwort liegt auf der Hand: Wer sich freiwillig in die Opferrolle begibt, ... :-) Es macht so herrlich Spaß, über diese Leute herzuziehen. Sie sind die personifizierte Steilvorlage. Sie wollen ja eigentlich was sehen und erleben, machen aber von vornherein alles falsch. Sie wissen vielleicht, dass es anders geht, aber Neckermann & Pro7 haben ihre Gehirne weichgekocht und dabei wurden auch gleich noch die Begriffe Horizont und Tellerrand zum "Tellerzont" verschmolzen. Sie kommen gar nicht auf die Idee, mal auf eigene Faust loszureisen. Zwischen den beiden Extremen "Plattgefahrene-Igel-Vom-Straßenrand-Essen" und "4-Sterne-Betonzelle" klafft bei den meisten einfach nur ein bodenloses Loch. Da kann man noch so viele Diashows und Individualreiseberichte reinwerfen: es hilft nichts! Aber vielleicht wurden sie auch einfach zu lange von Mama mit dem Löffelchen gefüttert. Schön portioniert und vorgekaut. Ein Löffelchen für alltours.de, ein Löffelchen für tui.com. Ha! Einfach wunderbare Lästerschablonen! :-) Schöne neue Welt!

Fettplauze ungeniert

Also: Kuta - Ein Experiment. Am eigenen Leib. Menschversuch mit Tieren. Oder doch andersrum?

Ich nehme mir ein Zimmer in irgendeiner Seitengasse. Das eine Bett müffelt widerlich - das Kissen ist unter dem Bezug total verschimmelt. Das andere Bett geht einigermaßen. Ich bin zu fertig und zu faul, um mir nochmal ein anderes Zimmer zu suchen. Das muss warten bis morgen. Natürlich - ich bin auch echt zu blöde - sind mal wieder ein paar Bettwanzen zur Stelle. Da es aber immer einen halben oder ganzen Tag dauert, bis sich die Quaddeln von den Bissen zeigen, kriege ich es erst am Samstag mit, als ich schon das Zimmer gewechselt habe. Alles halb so schlimm.

Gammelkissen

mal wieder Schach am Straßenrand
Am Morgen - eher mittags - mache ich mich also wieder auf Zimmersuche. Die erste Absteige hatte nur noch eine Kammer mit Schimmel an den Wänden übrig, die zweite war dann wirklich königlich. Und verhältnismäßig günstig. Kuta kann günstig sein, wenn es um Übernachtungen geht. Mein frisch angemietetes Moped findet zwar kaum Platz in der schmalen Gasse an der das Hotel liegt, aber ich bin nicht der einzige, dem das sowas von egal ist.

Elli von der Bootstour ist auch gerade in der Stadt und wir verabreden uns für den Abend. Ich schleppe noch einen Schweden mit, der gerade angekommen ist und eine Tür weiter wohnt. Am Ende landen wir im Skydome, einer Großraumdisko mit mindestens sieben Dance-Floors, Laser-Show und halbnackten Tanzmariechen. Da muss man erst nach Kuta fahren, um das zu erleben!

Gegenüber war noch ein Rock-Schuppen, in dem ich gern geblieben wäre, aber ich glaube das hat den beiden gar nicht zugesagt. Also: Wenn schon, denn schon. Rein in die eingenebelte Lärmkulisse! Es war sowas von laut und bizarr, dass es schon wieder genial war.

 Metallica Live

Oben auf dem Dach lässt es sich dann aushalten. Es werden sogar ein paar vernünftige Songs gespielt und ein bisschen schlechte Feuershow dargeboten. Die männlichen Sauftouristen sind teilweise sowas von peinlich und enthemmt, das habe ich bisher nur in Spring-Break-"Dokumentationen" erleben dürfen.

I LOVE KUTAAAAA!!! :-)


Ultra-Ditzko

KUUUUUUTAAAAAAAAAA!!!

schlechte Show, gute Musi

so muss Spring Break sein

Schwede, Elli und ich

Nach Ubud - Sonntag, 23. Dezember 2012

Sonntag muss ich dann echt mal shoppen gehen. Immerhin brauche ich noch Weihnachtsgeschenke! Es ist doch der 23.12. und ich habe noch nix gekauft! Ein Paar echt gute Wanderschuhe für billich und ein neuer Satz Unterhosen finden den Weg ins Säckel. Die alten Schlüpper haben ihren Dienst getan und werden wahrscheinlich demnächst mit anderem Giftmüll professionell auf der Hochsee verklappt.

Als ich beim Burger King rumsitze spricht mich ein älterer Ami an. Er hat meinen Rucksack gesehen und ist begeistert. "So bin ich früher auch gereist, Bali in den 70ern! Heute hat mein Rucksack aber Rollen :-)" Was würde ich dafür geben: Bali vor 40 Jahren! Das muss Abenteuer pur gewesen sein.

Im 3D-Kino im Einkaufspalast läuft gerade "Der Hobbit"! Das muss ich mir natürlich antun, immerhin habe ich ein Neuseelandticket in der Tasche. Zwar ist der Film nur ein Abklatsch vom Herrn der Ringe, aber was anderes habe ich nicht erwartet. Die Story ist ja doch ziemlich ähnlich. Ich find ihn super.


Burger King: Pommes und Räucherstäbchen im Opferschälchen

Ich war zwar schon vor ein paar Wochen mit Roat in Ubud, aber wir haben uns da wirklich zuwenig Zeit genommen und sind auch gar nicht aus der Stadt rausgekommen. Deshalb orgele ich da einfach nochmal hin und lasse mich etwas außerhalb der Stadt im Santra Putra in Campuhan nieder. Ein Glückstreffer! Erst muss man zu Fuß am Bintang Supermarkt die Treppen hoch und dann durch verwinkelte Gassen durch das Dörfchen laufen, bis man plötzlich in den Reisfeldern steht. Bewässerungskanäle durchziehen das Dorf und es ist wunderbar ruhig hier.

Das Santra Putra vermietet quasi ganze Häuser. Ich habe Terasse, Balkon, Küche, Wohnzimmer, Riesenbadezimmer und zwei Schlafzimmer + Vorgarten ganz für mich. Teils leicht abgewrackt, aber soweit ok. Und mit Blick auf Enten und Gänse im Reisfeld. Hammer!

zum Santra Putra
Ach, und gleich bei der Ankunft in Ubud treffe ich doch glatt Priscilla und Jem von der Bootstour wieder. Wir verabreden uns für den 24.12. zum Essen.


Die nächsten drei, vier Tage koche ich meist selbst und erkunde in den neuen Wandergaloschen die nördliche Gegend um Ubud. Genauso hatte ich es in Erinnerung: Reisfelder, grün, Flüsse usw. Einfach wunderbar. Es ist also doch noch was vom alten Ubud zu finden.

Ein paar Fotos und ein Video in loser Folge:

herrlich!


Planten und Blomen


Steinfiguren im Regen


Regenschirm

Regenhauben


Frühstück - im Supermarkt gab es Milch, Käse und Wurst!!!

Ubud


Reisfelder


Dorf-Atmo im Reis

Reisfelder


Bali wie vor 100 Jahren, oder 200, oder 300


Frisurvogel



Holztransport

die alte Brücke über den Was Timor


endlich mal selber "kochen"


all my things

Wohnzimmer / Küche


alles eingepackt - weiter geht's!

Am 26. Dezember fahre ich dann zurück nach Kuta, gebe das Moped ab und lasse mich von dessen Besitzer nach Kaffee und Schnack zum Flughafen bringen. Zwei Monate Bali und Flores sind um, es geht weiter nach Kiwi Country! Ich bin echt gespannt ...

Ein Bali-Fazit: Es hat sich viel verändert. Ich würde es eigentlich nicht mehr so schnell wie früher weiterempfehlen. Zum Glück lassen sich noch ursprüngliche Ecken finden, aber die muss man leider suchen oder kennen. Alles ist so zugebaut und überbevölkert. Ich bin echt hin- und hergerissen. Für jemanden, der schon andere, originalere asiatische Ecken besucht hat, könnte es sich teils als Enttäuschung erweisen. Trotzdem gibt es tierisch viel zu entdecken und vielleicht ist es gerade deshalb ein guter Einstieg für Rücksackreisende.

Ausgegeben habe ich in den zwei Monaten ca. 2400 Euro. *schluck* Aber Neuseeland wird budgetmäßig dann wohl ganz andere Maßstäbe setzen ...