Dienstag, 31. Juli 2012

Negombo

Anreise - Samstag, 28. Juli 2012

Mann, war das stressig. Die letzten zwei Wochen waren gut gefüllt mit den letzten Vorbereitungen. Wohnung ausräumen, Behördengänge, Verabschiedungen usw. Es gab kaum eine freie Minute. Bin gespannt, was ich alles an organisatorischen Dingen vergessen habe zu erledigen.

Beim Vorabendcheckin am Freitag konnte mir Air Berlin dann nur die Bordkarten von Hannover nach München und von München nach Abu Dhabi ausstellen. Die Bordkarte für Abi Dhabi nach Colombo sollte ich dann in München ausstellen lassen. Das Gepäck war aber komplett durchgecheckt bis zum Ziel. Der erste neue Unsicherheitsfaktor. Das konnte ja heiter werden.

Samstag früh haben Muttern und Arno mich dann zum Flughafen gebracht - Danke nochmal! - und in einer kleinen Propellermaschine ging es dann um 7:20 schonmal ein bisschen Richtung Süden.

Propellermaschine

In München gab es dann natürlich keine Bordkarte, ich wurde von der Etihad-Fluggesellschaft auf Abu Dhabi vertröstet. "Direkt am Gate kriegen Sie Ihre Boarding Card." Ist das nicht etwas spät?, dachte ich. Was wenn das nicht klappt? Dann läuft mir die Zeit davon. Boarding am Gate ist ja erst eine Stunde vor Abflug...

12:10 weiter nach Abu Dhabi. Als ich bei gefühlten 500° im Bus vom Flieger zum Arrival Gate stand, sah ich doch glatt einen Arbeitskollegen mit Kumpel die Treppe aus dem gleichen Flieger runterkommen! Es stellte sich aber heraus, dass er das doch nicht war. Die Ähnlichkeit war aber total verblüffend!

Im Termial 1 in Abu Dhabi bot sich mir dann dieser Anblick, den man ja schon von anderen Fotos kennt:

Abu Dhabi - Terminal 1

Ganz ehrlich - in echt ist das nur ein Viertel so schick. Das was auf dem Foto aussieht, als wäre es gigantisch groß und von innen beleuchtet, entpuppt sich als überpinselte Betonkonstruktion. Groß ja, aber riesig? Neee...

Natürlich gab es die Boarding Card nicht am Gate, sondern an einem anderen Schalter im Terminal. Puuuh, wenigstens war das jetzt erledigt.

Im Terminal war Volk aller Herren Länder zu sehen. Das beste war der total übergewichtige Araber, der in seinem beige-farbenen Kaftan wie Jabba the Hut aussah, sich auf einem der Liegestühle räkelte und gönnerhaft mit einem Kollegen quatschte. Mann, war der fett. :)

Der Flug nach Colombo war dann nur noch Quälerei. Ich wollte pennen, Essen wurde gereicht. Chicken-Curry. Ich fand es ziemlich gut, die Sri Lanker haben es nur kurz angerührt und dann angewidert stehen gelassen. Ein paar Minuten ständig unterbrochenen Schlaf konnte ich dem Ritt dann doch noch abzwacken.

Negombo - Sonntag, 29. Juli 2012

In Colombo angekommen wankte ich gerädert zur Gepäckausgabe, durch den Immigration-Schalter und am Zoll vorbei, der mich einfach nur gelangweilt durchwinkte. In der Ankunftshalle habe ich mir erstmal ordentlich Zeit gelassen - die hatte ich auch, denn es war ja erst 5:30 Ortszeit. Rucksack und Bordgepäck mergen, Geld, Wasser, SIM-Karte holen (+94 72 5514839, Whatsapp bleibt aber bei der alten Nummer). Im Bus ging es dann nach Negombo. Das müssen so ca. 10 bis 15 km vom Flughafen sein und hat schmale 24 ct gekostet. Man kann auch mit dem Taxi fahren oder dem Triwi (Three-Wheeler, Tuk-Tuk), aber das kostet dann gleich mal das 40-fache. Im Bus kriegt man außerdem noch einen Saunagang gratis.

Der Bus war total rott. Irgendwie hat mich die Gegend um das Armaturenbrett an einen gut durchgeschüttelten Werkzeugkasten mit uraltem Inhalt erinnert. Alles war irgendwie geflickt, der Sicherungskasten mit abgeschnittenen Kabelenden lugte neben meinem linken Knie hervor - ich saß vorne, bester Platz. Der Fahrer und seine Klamotten sahen aber noch schlimmer aus. Ungefähr so, als wenn er gerade stundenlang den Motor repariert hätte.

Girlanden im Bus

Das Umsteigen an der Negombo Central Bus Station war mal wieder ein Witz. Man braucht nur fragen, wo der Bus ist ... da stand auch schon ein Grüppchen Leute die sich als Busfahrer entpuppten und zwei Minuten später ging es auch schon weiter.

Nach dem Einchecken im Silver Sands Hotel und ein bisschen wuseln, knurrte mich mein Magen an. Für mich war es - wegen Zeitumstellung, Jetlag und kaum Schlaf - sowieso völlig egal, dass es erst 8:30 morgens war - hier, in diesem Land mit der seltsamen Zeitzone UTC+5:30. Für mich war gerade jede und keine Uhrzeit und jeder und kein Wochentag. Ich hatte ja quasi durchgemacht. Deshalb schmeckte das Lion Lager auch um diese Uhrzeit. Dazu gab es - ich frage ja meistens manchmal die Leute vom Restaurant, was sie jetzt gerade essen würden - Daal mit Sambal und Brot. Daal sind gekochte Linsen, Sambal sieht aus wie rot-weiße Kokosflocken, ist aber schön scharf und Brot ist wohl irgendwas aus Mehl gebackenes - völlig exotisch, noch nie gegessen. Es war großartig.

Lion Lager

Daal, Sambal, Brot

Danach nur ein hin- und herwälzen im Bett mit kurzen Einnickern und abends nochmal raus. Pfannkuchen mit Curry und Hoppers - auch so eine Art Pfannkuchen. Beides wieder schööön scharf und sehr gut. Ein Plausch mit Jirad und eine Pfütze Arrak (36%) später ging es wieder in die Falle. Jirad hatte erzählt von früher, von 1976 als der Tourismus ganz vorsichtig aber unaufhaltsam begann, dieses Land zu entern. Das müssen harte Zeiten für die Touris gewesen sein. Abzocke bis zum Geht-nicht-mehr.

Negombo - Montag, 30. Juli 2012


Panoramablick von meinem Balkon

Ich wollte früh raus, mir ein Rad mieten, ein bisschen in Negombo rumgurken und einen Geocache machen. Aber die Nacht war total unruhig, die Brandung ist tierisch laut und natürlich hat mich der Jetlag noch gnadenlos im Griff. Außerdem spielte sich auf dem Meer einiges ab.

Die Fischerboote kreuzten wild hin und her und einer der Katamaran-Fischer-Crews knallte doch glatt das Segel ins Wasser. Auch nach einer halben Stunde war es noch nicht wieder aufgerichtet. Ein paar andere Boote fuhren dicht an ihnen vorbei, aber von Hilfe keine Spur. Wahrscheinlich ist das also nicht so schlimm und man kann eh nix machen als irgendwie an Land zu paddeln.

ein paar von den Booten



Seenot

Also wurde es halb elf, bis ich loskam.



Irgendwie bin ich auf dem rottigen Drahtesel beim Fischmarkt gelandet. Es stank erbärmlich, ich bin gar nicht erst reingegangen. Ich kaufte draußen ein Kilo dieser kleinen, leckeren Bananen für umgerechnet 40 ct und begab mich um die Ecke in den Schatten eines Baumes um die Dinger zu kosten. Eine Aromaexplosion zog mir den Boden samt Baum unter den Füßen weg. Ich schnappte mir einen Ast, zog den Boden zurück unter meine Füße und stand wieder im Schatten. Ein Mann kam vorbei und pflückte an meinem Schattengehölz irgendwelche Früchte ab. Er erklärte mir, sein Papagei fährt voll auf die Dinger ab. Ich ging ihm zur Hand und ließ seinem Federvieh einen netten Gruß von mir ausrichten. Drei Meter weiter schnarchte ein Taxifahrer in seinem Auto. Er träumte davon, wie er in Badehose in Grönland mit einem Eisbären ein eiskaltes Getränk namens "Piñacolada" trank - davon hatte er noch nie gehört. Ich träumte ein bisschen mit, denn es war noch nichtmal Mittag und es war schon wieder ballerheiß. Negomboheiß sozusagen.



Oldie, der Besitzer wollte ihn mir gleich verkaufen

Der Fahrtwind auf dem Fahrrad war erholsam und ich radelte durch den chaotischen Verkehr rüber auf die nördlichen Inseln der Lagune. Auf dem Wasser war es genauso chaotisch. Die Inseln sind alle durch Brücken verbunden und völlig mit teils sehr schönen Häusern zugebaut. Google Maps wies mir den Weg, wenn ich mich irgendwo verfranst hatte.

Boote in der Lagune



für Roat

Netz wird ausgeworfen ...
... Fisch wird verstaut

Angler auf der Brücke
 
Seitenstraße auf Laguneninsel Duwa

Seitenstraße auf Laguneninsel Duwa

Danach wollte ich in einem Anflug von Größenwahn die ganze Lagune umrunden. Das sind locker 25 km.

Straße zwischen Meer und Lagune





Nach einem Viertel des Weges bis zum südlichen Ende der Lagune habe ich dann aber eingesehen, dass Größenwahn in der Mittagshitze nur ins Verderben führen kann. Die Sonne kam jetzt senkrecht von oben und ich bog orthogonal dazu nach rechts ab, kleine Stichstraßen alle 50 bis 100 Meter führen zum Meer. Dort legte ich eine Pause ein.

Pause links

Pause rechts

angespülter Müll und mein Schrottesel

Schattenplatz

Also machte ich danach kehrt und steuerte den Cache auf der anderen Seite, nördlich der Lagune an (http://coord.info/GC19NCH). Er schien in einem Villa-ähnlichen Haus versteckt zu sein. Erst unsicher klingelte ich dann doch. Eine Sri-Lanka-Madam öffnete und ich erklärte mein Anliegen mit den Worten "Cache, Geocache". Sie lächelte, winkte mich rein und holte den Cacheowner. Ein belgischer Expat, Mitte fünfzig. Wir quatschten mindestens eine Stunde über dies und das und wie er sein Leben bestreitet (Administration für eine Firma, Übersetzungen) und was ich so vorhabe. Gegen den obligatorischen Sonnenbrand, der sich gerade ankündigte, empfahl er mir eine Aloe Vera Creme zu kaufen - sie hilft ganz gut.

Auf der Rücktour kaufte ich noch ein bisschen Fast Food an einer dieser Straßenküchen. Beim Auspacken entdeckte ich, dass die Papiertüte aus alten Schulheften geklebt worden sein musste :)

frittiertes Gemüse und Chicken mit Papiertüte

eine Straßenküche

Außerdem kam ich noch an einem knallbunten Tempel direkt an einer Hauptstraße vorbei. Hier zeigt sich mal wieder, dass die Asiaten eine ganz andere Vorstellung von Ästhetik hegen. Den Tempel krönte eine Straßenlaterne!

Straßenlaterne mal anders

Nach locker fünf Stunden Sonne in der heißesten Zeit des Tages duschte ich erstmal komplett mit Klamotten. Danach waren sie wieder benutzbar, sie waren ja nicht dreckig, sondern nur durchgeschwitzt. Unterm Deckenventilator auf Stufe 5 trocknet so ein Hemd in einer halben Stunde.

Negombo - Dienstag, 31. Juli 2012

Dieser Tag soll einfach nur so dahinplätschern. Jetzt sitze ich hier auf meiner kleinen Terasse und hämmere auf dem Laptop rum. Dazu diese Aussicht, nebenan wird Müll verbrannt, was will man noch? Das fängt doch schon ganz gut an.




Zur Siesta-Zeit legte ich mich wieder ins Bett. Es ist von eins bis fünf unerträglich heiß, so dass man nix anderes machen kann als zu relaxen. Die Sonne schien durch die Vorhänge und hat mir doch glatt den kompletten Oberkörper - zumindest die rechte Seite - leicht angegrillt. Aloe Vera! Gib Alles!

Morgen geht es wohl weiter nach Hikkaduwa ... Ein Surfer-Strand im Süden.