Sonntag, 8. August 2010

in Rosinenbombern

Irgendwie ist es doch noch gut gegangen. Und einmal durchgeschwitzt, ist besser als auf seinen Koffern das Klassenziel zu verfehlen. Soll heißen: sitzenzubleiben. Man merkt, dass ich nicht gedient habe. Dauerlauf mit gepacktem Säckel ist nicht meine Stärke.

Wegen der ganzen Warterei, sind wir mit ca. einer Stunde Verspätung losgeflogen. So sitze ich nun im Flieger GF 16 der renommierten Alteisenairline Pfennigfluggesellschaft auf Kurs Ost-Süd-Ost zum Zwischenstopp in Bharain.

Der Flieger ist voll mit Arabern und ein paar Europäern. Vor mir sitzt eindeutig ein deutscher Sex-Tourist. Halblange, fisselige Haare, um die 50 (Jahre, nicht Haare), großporige, fettige, rotgeäderte Fratzenpelle mit knalliger Alknase mitten im Geseuch. Dazu die obligatorisch speckige, goldgerahmte Brille. Ein rundes Bild. Dass er dazu noch unfreundlich ist, ist ja wohl Ehrensache.

Der sitzt bestimmt nachher auch im Flieger nach Bangkok. Aber nur, wenn ich es nicht verhindert bekomme. Ich habe seine Schnürsenkel am Essenwagen vertäut. Das gibt sicherlich gleich ein großes Hallo! Man muss nun mal das letzte bisschen Spaß aus den Dingen herausdestillieren, um auf seine Kosten zu kommen.

später, ca. 7:55 Stunden später - fühlt sich aber wie fast acht Stunden an:

In Bahrain merkte ich, dass ich irgendwann in dem ganzen Gestresse meine Mütze liegengelassen haben muss. Ärgerlich, jetzt muss ich mir extra was neues zulegen.

Auf dem Fluhafen Bahrain angekommen, hechtete ich aus der Metallzigarre weiter zum nächsten Gate. Natürlich die obligatorische Passkontrolle vorher absolvieren, also wieder Schlange stehen. Es kam wohl gerade noch irgendein Flattermann aus Saudi oder von irgendeiner anderen Wüstenstadt, denn plötzlich war ich inmitten hunderter Moslems, die fast alle in blütenweißem Gewand gekleidet waren. Sowas weißes habt ihr noch nicht gesehen, da muss sogar Clementine das sprichwörtliche Handtuch werfen. Und zwar ganz weit. So weiß sind bei uns nicht mal weiße T-Shirts, frisch von der Stange. Irre! Ich war fast genötigt meine Sonnenbrille anzuziehen.

Und jetzt sitze ich hier wieder im Flieger und habe doch glatt den beschissensten Sitzplatz meiner ganzen Globetrotterlaufbahn bekommen: mittig und direkt vor einer Wand. Da kannste nichma den Blick schweifen lassen. Neben mir ein junger Thai, der unterwegs nache Heimat ist und links eine Madam aus dem Iran, mit ner Warze auf der Nasenspitze. Die weiß nix! Sie will nach Pattaya um ihren Mann zu besuchen (?!?) und hat kein Plan wo das ist. Naja, mir egal.

Im Board-TV spielt der Dude die Westerngitarre, oder ist er das etwa gar nicht?

Der Flieger ist übrigens ziemlich übel. Wie kann man eine A340 zu so einem verlotterten Seelenverkäufer umbauen? Die Toiletten stinken schon, die Verkleidung wackelt und die Sitze sind zu eng. Kurz gesagt: Der Lack ist ab, die Fassade bröckelt und der Stukkateur könnte auch mal wieder rumkommen.

Ha! Jetzt hat mir der Steward doch glatt gerade einen Flugbewertungsbogen in die Hand gedrückt! Wie passend! Na, da könnt ihr euch mal sicher sein, dass ich jetzt die Engländer rächen werde. Die, die die Brücke am Kwai nicht überlebt haben! Zieht euch warm an, Gulf Air! Ich mach die Kreuze alle auf der rechten Seite, da wo "grottoid" drübersteht. Nicht mal ein on-the-plane Visum kriegt man hier.

Punkrock, ... äh Bangkok-Time 3:34, Sonntag 8.8.2010. Noch viereinhalb Stunden, dann dürfen wir hier alle wieder raus.

Local Time: 9:00, amgekommen, sim card geholt, nr ist 0066 83178 1694


Bus-Ticket to Town

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